KI-Texte generieren lassen oder selbst schreiben?

Ein Blogbeitrag, eine Kundenmail oder ein Post für die sozialen Medien: Wer beruflich schreibt, kennt den Moment, in dem die Gedanken da sind, aber die passenden Worte fehlen. KI kann dann einen Einstieg liefern, einen Entwurf ordnen oder eine Formulierung verbessern. Doch was passiert dabei mit unserer eigenen Stimme?

Meine Haltung dazu ist klar: Nutzen wir die Unterstützung. Nehmen wir uns aber weiterhin die Zeit, selbst zu entscheiden, was wir sagen wollen und wie wir dafür einstehen. Ein guter Text braucht mehr als flüssige Sätze.

Erst die Botschaft dann der Entwurf

Bevor wir eine KI um einen Text bitten, lohnt sich eine einfache Frage: Was soll beim Leser ankommen? Möchten wir informieren, Orientierung geben, eine Entscheidung erklären oder zu einem Gespräch einladen?

Wer das noch nicht weiß, erhält möglicherweise einen gut formulierten Text, der am eigentlichen Anliegen vorbeigeht. Ein ausführlicher Beitrag hilft wenig, wenn die Zielgruppe eine klare Antwort braucht. Und eine freundliche Kundenmail kann ihr Ziel verfehlen, wenn die entscheidende Information zwischen Höflichkeitsfloskeln verschwindet.

Schreiben beginnt deshalb mit Denken. KI kann dabei unterstützen, Gedanken zu sortieren. Die Kernbotschaft sollten wir bewusst festlegen.

Die eigene Stimme zeigt sich im Konkreten

Persönlichkeit entsteht nicht dadurch, dass wir einen Text mit besonders vielen Adjektiven versehen. Sie zeigt sich darin, welche Fragen wir stellen, welche Beispiele wir wählen und welchen Standpunkt wir vertreten. Auch unser Ton gehört dazu: Sprechen wir direkt? Erklären wir ausführlich? Darf ein wenig Humor mitschwingen?

Vergleichen Sie diese beiden Formulierungen: „Eine wertschätzende Kommunikation ist für erfolgreiche Zusammenarbeit von großer Bedeutung.“ Und: „Wenn eine Aufgabe unklar bleibt, hilft es, konkret nachzufragen: Was genau erwarten Sie von mir bis Freitag?“

Der zweite Satz macht eine Handlung greifbar. Solche Beispiele helfen Lesern, eine Aussage auf ihren Alltag zu übertragen. Für einen persönlichen Text können wir zusätzlich eigene Beobachtungen oder Erfahrungen einbringen. Dabei sollten wir nur von Erlebnissen erzählen, die tatsächlich stattgefunden haben.

Wann sich eigenes Schreiben besonders lohnt

Bei einer persönlichen Nachricht, einer schwierigen Rückmeldung oder einem Beitrag mit einer klaren Meinung lohnt es sich, zunächst selbst ein paar Sätze zu schreiben. Sie müssen noch nicht elegant sein. Entscheidend ist, dass sie das enthalten, was uns wirklich wichtig ist.

Anschließend kann die KI helfen, den Text zu kürzen, verständlicher zu machen oder den Ton zu überprüfen. Auch zwei unterschiedliche Formulierungen können nützlich sein. Beim Vergleichen merken wir oft genauer, welche Worte zu uns passen.

Für eine Gliederung oder einen ersten sachlichen Entwurf kann die KI dagegen schon früher zum Einsatz kommen. Wie viel wir selbst schreiben, hängt vom Anlass ab. Die abschließende Entscheidung über den Inhalt bleibt bei uns.

So wird aus einem Vorschlag Ihr Text

Ein hilfreicher Schreibauftrag könnte lauten: „Entwirf eine kurze Kundenmail. Ich möchte den neuen Termin bestätigen und um Rückmeldung bitten. Schreibe freundlich, direkt und ohne Werbesprache. Verwende nur die folgenden Angaben: …“

Lesen Sie den Entwurf anschließend mit dem Blick Ihres Gegenübers. Ist das Anliegen sofort verständlich? Sind alle Angaben richtig? Gibt es Sätze, die viel Platz brauchen, aber wenig sagen? Streichen oder ändern Sie alles, was Sie selbst so nicht formulieren würden.

Prüfen Sie besonders Zahlen, Namen, Termine und fachliche Aussagen. Eine überzeugende Formulierung ist noch kein Beleg dafür, dass der Inhalt stimmt. Auch Quellen müssen tatsächlich existieren und die jeweilige Aussage stützen.

Zum Schluss hilft das laute Lesen. Wo Sie stolpern, ist ein Satz vielleicht zu lang. Wo Sie sich beim Vorlesen fremd vorkommen, braucht der Text Ihre Worte.

Bewusst schreiben auch mit KI

Ob ein Text vollständig selbst geschrieben oder mit KI entwickelt wurde, sagt allein wenig über seinen Wert aus. Entscheidend ist, ob er etwas Relevantes vermittelt, verständlich ist und zur Person oder zum Unternehmen passt, das ihn veröffentlicht.

Probieren Sie es beim nächsten Text aus: Schreiben Sie zuerst Ihre Kernbotschaft in einem Satz auf. Lassen Sie sich dann beim Formulieren unterstützen und überarbeiten Sie den Entwurf so lange, bis Sie sagen können: Genau das möchte ich meinen Lesern mitteilen.

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